Faszinierende Faszien: Networking mal anders

FaszienrolleBild via ndr.de

 

Unser Körper hat Internet – ob Organe, Muskeln oder Knochen – sie alle sind durch ein Netz aus Faszien verbunden. Sehnen und Bänder sind ein Bestandteil dieses Netzes. Kein Wunder also, dass Faszien für all unsere Bewegungen ungeheuer wichtig sind. Hier erzählen wir euch, welchen Job Faszien haben und wie Läufer sie hegen und pflegen können.

 

Die Entdeckung der Faszien.

Bindegewebe – bei diesem Wort denken viele Menschen an kräftige Oberschenkel und Cellulite-Cremes. Doch ein Imagewandel ist in Sicht: Seit dem ersten Weltkongress der Faszienforschung im Jahr 2007 hat das uncool klingende Gewebe einen neuen Namen.

Denn Faszien sind tatsächlich nichts anderes als Bindegewebe – ein dicht gewebtes Netz, das alles im Körper miteinander verbindet. Faszien wurden bereits vor Jahrhunderten bei Sektionen entdeckt, aber für nicht besonders wichtig erachtet. Heute weiß man es besser.

 

Wozu brauchen wir Faszien?

Die elastischen Faszien formen unseren Körper, so wie die weißen Fasern einer Orange der Frucht Struktur und Festigkeit geben. Je nachdem, wo sich die Faszien in unserem Körper befinden, enthalten sie mehr oder weniger Flüssigkeit, Kollagen und Elastin, ein Protein, was die Faszie elastisch hält. Bei jeder unserer Bewegungen kommen Faszien zum Einsatz, sie sind für die Kraftübertragung und die Spannung entscheidend.

Sie transportieren aber auch Flüssigkeit und sind am Stoffwechsel beteiligt. Und last but not least sind Faszien gemeinsam mit dem Nervensystem für die Kommunikation im Körper zuständig, weshalb Faszienforscher dafür plädieren, Faszien als ein großes Sinnesorgan zu definieren.

 

Wenn Faszien schmerzen.

Faszien sind sensibel. Man weiß heute, dass sie über weit mehr Sensoren und Nervenendigungen verfügen, als ein Muskel. Die Schlussfolgerung daraus ist, dass wir nach einem anstrengenden Lauf möglicherweise gar keinen Muskelkater haben, sondern einen Faszienkater.

Denn in den Faszien bilden sich durch harte Beanspruchung kleinste Mikroverletzungen, die schmerzen können. Der alte Glaube, dass nur das schmerzen kann, was gut durchblutet oder von Nerven durchzogen ist, ist längst nicht mehr haltbar.

 

So lassen sich unsere Faszien pflegen.

Einer der führenden Faszienforscher, Dr. Robert Schleip, benennt vier Prinzipien, die für die Pflege von Faszien wichtig sind: Dehnen, federn, spüren und beleben. Immer wieder wurde darüber diskutiert, welche Bedeutung das Dehnen vor und nach einer Laufeinheit hat. Die Faszienforschung hat hier viel Licht ins Dunkel gebracht.

Denn während der Fokus früher auf dem Dehnen der Muskulatur lag, geht man heute davon aus, dass die Dehnung des Bindegewebes den entscheidenden Vorteil bringt. Auf diese Weise wird durch Dehnen der gesamte Bewegungsapparat geschmeidig gehalten – sicher keine neue Nachricht für alle, die regelmäßig ihre Yogamatte ausrollen.

Federn“ lässt sich leicht durch einfaches Lockern wie z.B. auf der Stelle Hüpfen praktizieren. Beim „Spüren“ geht es um Körperwahrnehmung durch sanfte Bewegungen – hier können alle Freunde meditativer und bewusster Bewegung wie Tai Chi oder Feldenkrais zufrieden nicken. Bleibt noch das Beleben. Dafür gibt es ja die Faszienrolle. Oder etwa nicht?

 

Faszienrollen – gut oder nicht so toll?

Seit einigen Jahren sind im Sportfachhandel unterschiedlich große, oft schwarze Faszienrollen zu haben, die Lockerung versprechen. Der Druck der Rolle soll dazu beitragen, dass Stoffwechselprodukte in den Faszien leichter abtransportiert werden und dass sie von „frischer“ Flüssigkeit durchströmt werden. Tatsächlich können diese Kunststoffrollen viel Gutes bewirken, indem sie Verklebungen lösen und damit auch Verletzungen vorbeugen.

Doch die Rollen haben auch eine Kehrseite – werden sie nicht fachmännisch (oder fachfraulich) angewandt, kann damit auch eine Verletzung verschlimmert werden. Wer mit Druck etwa auf einer gereizten Sehne oder einem überdehnten Band herumrollert, um vermeintliche Verklebungen zu lösen, schadet der fiesen Stelle mehr, als dass er sie therapiert. Es gilt also wie immer: Erst mal jemanden fragen, der sich mit sowas auskennt – und damit sind nicht Dr. Google und Professor You Tube gemeint.

Noch immer ist die Faszienforschung ganz am Anfang, das faszinierende Körpernetz gibt uns nach wie vor viele Rätsel auf. Wir Läufer können von den neuen Erkenntnissen profitieren, in dem wir freundlich und bewusst mit unserem Körper umgehen – und ihn als vernetzte Einheit begreifen.

 

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