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Ukraine-Hilfe: Wenn der Fliegeralarm einem das Grausen lehrt

In der Nähe von Lviv arbeiten wir mit der Peter & Paul Gemeinde beim Aufbau von Unterkünften vfür weitere Flüchtlinge. In der Gegend sind bereits über hundertausend Geflohene untergekommen. Deswegen waren wir vor Ort - Leute kennenlernen, Strukturen organisieren und anpacken.

Natürlich machten wir auch einen Abstecher nach Lviv, wo wir weitere Kontaktpersonen trafen, die uns dabei helfen Flüchtlinge aus den umkämpftesten Städten herauszuholen. Lviv (Lemberg) bezauberte uns mit seinem historischen Charme.

Menschen tummelten sich wie in vielen anderen eruopäischen  Städten auf den Plätzen, lauschten Straßen-Musikanten und genossen die Sonne. Es wirkte so friedlich. Fünf Minuten später: Flieger-Alarm, die friedliche Atmosphäre war vorbei, jetzt hieß es Schutz suchen in den Kellern der anliegenden Geschäfte. Dies ist der Alltag in den Städten der westlichen Ukraine. Ich mag mir gar nicht vorstellen, was die Menschen in den umkämpften Gebieten in Kyiv, Charkiv oder Mariupol erleiden müssen. Auf dem Weg zurück zur Kirche, wo neun weitere Flüchtlinge auf uns warteten, gab es noch zwei weitere Fliegeralarme.

 

Kontrollposten an jeder Straße

Peter & Paul Kirche bei Lviv

Die Peter & Paul Kirche ist ein schmuckes Gebäude im typisch osteuropäischen Stil in Mitten eines Parks. Pater Roman zeigte uns stolz das Innere der Kirche. Dann führte er uns in einen Keller und wieder war es mit der Harmonie schlagartig vorbei. Der Keller ist zu einem provisorischem Bombenschutzkeller ausgebaut worden. Frauen waren beschäftigt wieder das Notwendigste für die Nacht herzurichten. Hier wurden auch unsere Medikamente sortiert, gezählt, gelagert, Kindersachen bereitgelegt für Flüchtlinge. Auch hier wieder, als würde man plötzlich in einen anderen Film schalten von Heimatfilm zu Kriegsfilm.

Bei einem Abendessen in der Kirche berichteten die Flüchtlinge von ihren Ängsten. Sie waren zwar den Bomben entkommen, aber was würde sie im Westen erwarten? Sie waren erschöpft, hatten alles verloren. Und hier musste ich mich nochmal daran erinnern, dass das Menschen mit einem Leben wie wir sind. Die Kinder hatten ihre Spielsachen, man war stolz auf das Erreichte, Kinder gingen in die Schule und nun war alles verloren und es hieß Aufbruch in ein neues Land, neue Sprache und nicht wissen, was kommt. Diese Menschen hatten ein gutes Leben. Soe wollen nicht nach Deutschland oder Europa. Sie müssen. Sie berichteten, wie dankbar sie sind, dass sie unsere Telefonnummer erhalten hatten und sicher an ihre Bestimmungsorte geleitet werden. Zu groß ist inzwischen die leider berechtigte Angst vor Menschenschleppern, Betrügern und Kinderschändern.

Schließlich wünschten wir uns eine gute Nacht. Wir werden sehen, ob sie gut wird, antwortete Vater Roman. Er sollte mit seinen Zweifeln recht haben. Sie wurde nicht gut. Um 5 Uhr morgens ging der Fliegeralarm los und wir verbrachten die nächsten Stunden mit Ukrainerinnen und Kindern im Luftschutzkeller der Kirche.

 

Ausharren im im Keller bei Fliegeralarm

Schlafplätze im Luftschutzkeller

Ich muss mit Bedauern sagen, dass wir erleichtert waren, als wir schließlich mit den uns anvertrauten Personen, die ukrainisch-polnische Grenze überquerten. Bedauern darüber erleichtert zu sein, die Ukraine zu verlassen, jenes Land, dass ich noch vor wenigen Jahren als ein Juwel Europas kennenglernt habe.

P.S. Als ich rund 20 Stunden später wieder zu Hause war, habe ich meine Kinder umarmt und gedrückt wie noch nie.

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